Radiojod-Therapie nach Operation eines SD-Carcinom

Sie wurden an einem Schilddrüsencarcinom operiert. Aufgrund der Art und Größe des Tumors besteht nun die Notwendigkeit zur Durchführung einer Radiojod-Eliminationstherapie.

Wirkung des Radiojod im Körper

Die Schilddrüsenzellen brauchen zur Hormonproduktion Jod. Dieses Jod wird in die Schilddrüsenzellen aufgenommen und dort gespeichert. Die beim „radioaktiven Zerfall“ frei werdende Strahlung wirkt praktisch nur in der Umgebung der Zelle, die das Jod gespeichert hat. Die Strahlenbelastung für den übrigen Körper ist sehr gering. Der Teil des radioaktiven Jods, der nicht in die Schilddrüse aufgenommen wird, wird in den ersten Tagen hauptsächlich über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Nach der Strahlenschutzverordnung müssen deshalb alle Körperausscheidungen in besonderen Tankanlagen zum Abklingen gesammelt werden. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Radiojod-Behandlung nur stationär durchgeführt werden darf.

Hypothyreose (Unterfunktion)

Ein erhöhtes TSH ist notwendig, um eine ausreichende Aufnahme des radioaktiven Jods in die noch verbleibenen Schilddrüsenzellen oder auch Metastasen zu erreichen. Um dies zu erreichen gibt es 2 Möglichkeiten:

Schilddrüsenhormonentzug

Nach der Operation bis zur Radiojodtherapie (ca 6 Wochen) erfolgt keine Gabe von Thyroxin. Um die Auswirkungen der Unterfunktion zu minimieren wird in den ersten 3-4 Wochen Thybon (Liothyronin) gegeben.

Die Substitutionstherapie mit Levothyroxin startet dann nach der Radiojodtherapie.

Thyrogen zur Vermeidung einer“echten“ Unterfunktion

Zur Vermeidung einer Unterfunktion (Hypothyreose) mit ihren entsprechenden Nebenwirkungen, wird die TSH-Erhöhung durch die Injektion von Thyrogen (rekombinantes humanes TSH) erreicht.

Dazu wird an den 2 Tagen vor dem geplanten stationären Aufenthalt Thyrogen in den Gesäßmuskel injiziert. Dies sollte zwischen 11-12 Uhr erfolgen, da die Gabe des radioaktiven Jods am Aufnahmetag hierauf abgestimmt wird. Zusätzlich wird für wenige Tage die Thyroxinsubstitution pausiert. Die Termine und zeitliche Abfolge wird Ihnen nochmals schriftlich auf einem Terminplan mitgeteilt.

Die Injektion des Thyrogen kann bei uns oder beim Hausarzt erfolgen, wichtig ist allerdings, wie oben erwähnt die Einhaltung der Uhrzeit.

Krankenhausaufenthalt

Die Krankenhausaufnahme erfolgt im Regelfall freitags nach 2 maliger Injektion des Thyrogen (Mittwoch und Donnerstag), oder bei ausreichend hohem TSH im Falle des Hormonentzugs. Die Aufenthaltsdauer beträgt normalerweise 3-4 Tage. Sie bewohnen in dieser Zeit ein Einbettzimmer mit Toilette und Duschbad, Telefon, Fernseher und Internetzugang. Im gemeinsamen Aufenthaltsraum finden Sie Bücher, Fernseher, Videorecorder, Kassetten, Getränke und ein Heimtrainer-Fahrrad.

Am Aufnahmetag bekommen Sie das für Sie bestellte Radiojod als einmalige Dosis in Form einer Kapsel zu schlucken. Anschließend dürfen Sie sich nur in Ihrem Zimmer bzw. Aufenthaltsraum aufhalten. Besuche sind aus Strahlenschutzgründen nicht erlaubt.

Von der Behandlung selbst merken Sie normalerweise nichts, deshalb brauchen Sie auch nicht das Bett zu hüten. Damit der Teil des radioaktiven Jods, der nicht in der Schilddrüse gespeichert wird, möglichst rasch ausgeschieden wird, sollten Sie am ersten Tag viel trinken und häufig die Blase entleeren. Da das radioaktive Jod auch in geringen Mengen in die Speicheldrüsen aufgenommen wird, sollten sie 24 Std. nach Einnahme der Kapsel beginnen Kaugummi zu kauen oder saure Drops zu lutschen, um die Speichelproduktion anzuregen. An Ihrer sonstigen Medikamentenbehandlung ändert sich während des stationären Aufenthaltes nichts.

Außer der täglichen Strahlenmessung, aus deren Daten wir Ihren Entlasstermin bestimmen, geschieht kaum etwas – es kann also langweilig werden. Bringen Sie sich deshalb eine Beschäftigung mit.

Am Entlasstag wird dann in unserer Praxis eine Ganzkörperaufnahme durchgeführt, um die Anreicherung des Jods im Schilddrüsenrest darzustellen. Mögliche Metastasen können hierdurch auch ausgeschlossen oder bestätigt werden. Das Ergebnis wird nach der Untersuchung mit Ihnen besprochen. Sie erhalten dann einen Termin zur Kontrolluntersuchung ein viertel Jahr später.

Ca. 6-8 Monate nach der Therapie ist ein erneuter stationärer Aufenthalt notwendig, um den Therapieerfolg zu kontrollieren. Auch eine erneute Therapie kann im Einzelfall notwendig sein. Dies werden wir bei den Nachsorgeuntersuchungen mit Ihnen besprechen.

Bitte sorgen Sie selbst mit, dass die im Anschluß an die Radiojod-Behandlung notwendigen Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden!

Häufige Fragen – kurze Antworten

  • Ist eine besondere Behandlung Ihrer hier getragenen Wäsche erforderlich?
    Nein!
  • Reststrahlung und Angehörige?
    Wir haben hier in Deutschland eine besonders strenge Strahlenschutzverordnung. Die nach Ihrer Entlassung von Ihnen ausgehende Reststrahlung ist so minimal, dass es keine weiteren Einschränkungen gibt.
  • Berufstätigkeit?
    Sie können am Tag nach Ihrer Entlassung wieder ganz normal zur Arbeit gehen.
  • Ernährung?
    In den nächsten Wochen bis zur Therapie sollten Sie sich jodarm ernähren; d.h. Sie sollten Jod in Tablettenform (auch in Multivitaminpräparaten), Seefisch, Innereien und grössere Mengen Milchprodukte vermeiden. Jodsalz dürfen Sie verwenden.

Sprechzeiten

Montag 8:00-16:30 Uhr
Dienstag 8:00-16:30 Uhr
Mittwoch 8:00-16:30 Uhr
Donnerstag 8:00-16:30 Uhr
Freitag 8:00-12:30 Uhr

 

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0791/ 8010

(Eine Terminvergabe kann nur telefonisch erfolgen!)